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(Foto: Kleine)

Sport studieren in Wuppertal - füher und heute

Seit 2006 dokumentiert die Sportwissenschaft ihre Geschichte mit einer kleinen Geste auch nach außen: auf Initiative der Fachschaft wurde eine Bekleidungslinie für die Sportstudentinnen und Sportstudenten entworfen und alle Kleidungsstücke ziert die Nummer 46. 1946 war es erstmals möglich, mit der Gründung der "Pädagogischen Akademie", in Wuppertal Sport zu studieren... 

Zunächst als Studium der Leibeserziehung, das in den 50er Jahren von einem „praktizistischen“ Selbstverständnis geprägt war: Beispiele „guter“ Praxis wurden mit Anleihen aus anderen Wissenschaftsfeldern garniert. Im Sinne einer „Meisterlehre“ wurde gezeigt, wie Leibeserziehung funktionieren konnte; die Lehrenden waren Vorbilder, denen man als Studierende(r) nachahmte. Theorie hatte zunächst vorwiegend die Funktion, Unterricht unmittelbar zu verbessern; insofern kann man von einer Theorie der Unterrichtspraxis sprechen. 

Veränderungen in der Entwicklung gab es in den 60er Jahren - in Wuppertal wird 1962 aus der Pädagogischen Akademie die "Pädagogische Hochschule" - in der Sport-Ausbildung durch die Hochschultagungen in Tübingen und Trier. Die Diskussionen in der Didaktik führten zu den ersten geschlossenen fachdidaktischen Konzepten, die die Legitimation des Faches Sport im Kanon der anderen Schulfächer erleichterten. Daraus entwickelte sich eine Ausbildung, die von wissenschaftlichen Ansprüchen gekennzeichnet war, ohne dass der Bezug zum pädagogischen Kern beruflichen Handelns aufgegeben wurde. 1965 wird in Frankfurt der erste sportwissenschaftliche Lehrstuhl an einer westdeutschen Universität eingerichtet. 

Begünstigt durch den Einfluss der Olympischen Spiele in München 1972 sind die 70er Jahren durch eine starke Ausdifferenzierung einer Theorie der Leibeserziehung zu einzelnen Disziplinen der Sportwissenschaft geprägt. Die Sportwissenschaft wird anerkanntes Fach an den westdeutschen Universitäten - in der DDR ist sie das bereits seit den 50er Jahren. Diese Entwicklung erreicht auch Wuppertal, wo 1972 die Gesamthochschule Wuppertal eröffnet wird und 1974 den Namen Bergische Universität - Gesamthochschule Wuppertal erhält. Zunächst wird die sportwissenschaftliche Ausbildung durch Studienprofessuren (mit geisteswissenschaftlichem Schwerpunkt) und wissenschaftliche Mitarbeiter geleistet. 1977 gibt es den ersten C4-Lehrstuhl mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt (Herr Wiemann) in Wuppertal. 

Mit der zunehmenden wissenschaftlichen Reputation im universitären Bereich ist auch die weitere Ausdifferenzierung sportwissenschaftlicher Teildisziplinen verbunden. Die Forschung, verbunden mit der Einwerbung von Drittmitteln und zahlreichen Publikationen, erhält in der Sportwissenschaft immer breiteren Raum. In Wuppertal sind die Professuren in Sportpädagogik (Frau Küpper), Sportgeschichte und Sportsoziologie (Herr Engel) und Bewegungslehre und Biomechanik (Herr Wiemann) vertreten, wodurch auch in der Ausbildung vielfältige theoretische Felder der Sportwissenschaft abgedeckt werden können. Veränderungen kennzeichnen auch die Praxisausbildung: in den 60er Jahren gab es kaum Sportartenangebote; vielmehr standen Problem- und Themenorientierungen im Vordergrund. Geringe Reste davon finden sich heute noch im schulformbezogenen Lehramtsstudiums im sportartübergreifenden bzw. schulformspezifischen Lehrangebot. Dagegen bot die Sportlehrerausbildung in Wuppertal in den 80er/90er Jahren einen differenzierten Kanon unterschiedlichster Sportarten, die Beleg für ein verändertes Praxisverständnis waren.

Heute bilden diese sportartbezogenen Methodik-Veranstaltungen immer noch einen Schwerpunkt der Ausbildung - und haben - ganz in "Wuppertaler Tradition" - einen besonderen Fokus auf den Möglichkeiten der Vermittlung für unterschiedlichste Zielgruppen. Zudem wird durch die Einbindung projektorientierter Studienformen die Verbindung von Theorie und Praxis in der Sportwissenschaft weiter gestärkt. Die sportwissenschaftlichen Arbeitsbereiche werden von Herrn Prof. Dr. E. Balz (Sportpädagogik), Frau Prof. Dr. J. Frohn (Sportdidaktik), Herrn Prof. Dr. J. Freiwald (Bewegungs- und Trainingswissenschaft), Herrn Prof. Dr. Dr. T. Hilberg (Sportmedizin), Frau Prof. Dr. Bettina Rulofs (Sportsoziologie) und Herrn Prof. Dr. T. Stemper (Fitness & Gesundheit) verteten. Hinzu kommt die Arbeitsgruppe Integrative Theorie und Praxis des Sports (vertreten durch Denise Albert, Ute Derks, Michael Fahlenbock, Dr. Rüdiger Hofmann, Torsten Kleine, Dr. André Poweleit und Dr. Peter Wastl).

zuletzt bearbeitet am: 14.02.2020